Montag, 5. März 2012

Bird, Jessica: Man nehme: dich und mich!


Von allen Cora Verlag Heftromanserien liegen mir die Bianca-Romane am wenigsten. Bei Bianca-Heften habe ich oft das Gefühl, zwischen dem Verhalten der erdachten Charaktere und dem echter Menschen besteht ein derart krasses Missverhältnis, dass bei allem Wunsch, von romantischen, leidenschaftlichen Geschichten zu lesen und dem Alltag beim Lesen entbunden zu werden, den Romanfiguren selbst das letzte Bisschen Realität und Moderne aus den imaginären Körpern herausgepresst worden ist und nur Romanzombis übrig bleiben, deren herausragenste Eigenschaften es ist, die letzten 50 Jahre Entwicklung von Frauenrechten und Frauenselbstbewusstsein zu negieren. Es würde mich nicht wundern, wenn in einem solchen Roman Mal eben das Frauenwahlrecht abgeschafft würde und sich keiner der Charaktere auch nur im Mindesten darüber aufregen würde.

Das heißt aber nicht, dass ich einen Bianca Roman generell links liegen lassen würde. Wenn die Inhaltsangabe mich anspricht, versuche ich es mit ihm und als Kochbloggerin hat mich:

Man nehme: dich und mich! von Jessica Bird aus auf der Hand liegenden Gründen angesprochen, denn auf Liebesromane, die Küchenchefs als Helden haben, werfe ich gerne einen zweiten Blick.

Bei Francis, genannt Frankie, geht alles drunter und drüber. Seit Generationen ist ihre Familie im Besitz eines Herrenhauses, welches in der letzten Generation in eine Pension umgebaut worden ist. Durch die Wirtschaftskrise geht nun alles den Bach herunter, so sehr sich Frankie auch abmüht. Nebenbei hat sie eine altersdemente Oma zu versorgen und sie sorgt sich um ihre jüngere, engelsgleiche Schwester, die sie nach dem Tod ihrer Eltern großgezogen hat. Dass die Schwester mittlerweile recht lebenstüchtig ist, entgeht ihr in ihrem aufgeblasenen Aufopferungsfimmel.

Als ihr Koch von einem Tag auf den anderen kündigt und nach Las Vegas verschwindet, steht Frankie ohne ihn da und während die hungrigen Pensionsgäste auf das Essen warten, verbrennt auch noch das Huhn im Ofen.

In dieser Situation schneit der Sternekoch Nate in die Küche, dessen Auto unweit von der Pension schlapp gemacht hat und der auf der Suche nach einem Telefon ist. Als erfahrener Koch sieht er augenblicklich, was los ist, übernimmt das Zepter und rettet nicht nur das Abendessen, sondern zaubert auch noch einen leckeren Nachtisch aus einfachen Keksen und ein paar Früchten.

Da Nate sowieso etwas Geld gebrauchen kann, weil er bei seinem letzten Arbeitgeber gekündigt hat und sich selbständig machen möchte (aber das richtige Objekt noch nicht gefunden hat), bewirbt er sich bei Frankie. Außerdem möchte er in der Provinz gerne neue Rezepte ausprobieren, ohne gleich die Restauranttester auf dem Hals zu haben. Frankie allerdings ist zickig bis zur Dummheit und weist ihn erst einmal ab. Immerhin ist sie dann doch so klug, bei seinem letzten Arbeitgeber, einem Gourmetrestaurant anzurufen, und der dortige Betreiber lobt seinen ehemaligen Chefkoch in den höchsten Tönen.

Bei aller Zickigkeit sieht sie die Vorteile von Nate und stellt ihn für die Saison ein. Zwischen den beiden funkt es sofort, aber es dauert lange, bis sie sich finden ...

Man nehme: dich und mich! ist ein Roman, der einzig und allein von der Ausstrahlung und Sympathie der männlichen Hauptperson lebt und glänzt. Die Protagonistin, Frankie, ist eher ein zickiges Zerrbild von einer Frau und sie ist so übertrieben fürsorglich und opferbereit bis hin zur Selbstaufgabe ihren Familienangehörigen gegenüber, dass meine anfängliche Sympathie für ihre Not bald ins Gegenteil verkehrt wurde. Solche überzeichneten Romanfiguren sind für mich nicht lebendig, sondern tote Substanz ohne nennenswerten Identifikationswert.

Dennoch gebe ich dem Roman vier Punkte, denn immer, wenn ich auf dem Kindle gerade das Löschen des Romans einleiten wollte, zog mich der Chara Nate mit seiner Sympathie und Wärme in seinen Bann. Außerdem waren die Nebenrollen, die spinnerte Oma, die engelsgleiche Schwester und der minderbemittelte Aushilfskellner so sympathisch und liebenswert gezeichnet, dass ich viel Freude an dem Roman hatte. Denkt man sich die tote Romansubstanz Frankie und die damit einhergehende Liebesgeschichte weg, wäre der Roman wahrscheinlich sogar volle Punktzahl wert.

Es gibt einen kleinen Gimmik am Rande: Am Ende des Romans gibt es drei Rezepte, zwei davon spielen im Roman eine Rolle.

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