Mittwoch, 4. April 2012

Harrison, Thea: Im Bann des Drachen


Pia wird von ihrem Exfreund erpresst, den Drachen Dragos zu bestehlen. Natürlich bleibt ihre Tat nicht unentdeckt, Dragos findet sie bald und statt sie nach seiner üblichen Raubtierart zu zerfleischen, entwickelt er plötzlich starke erotische Gefühle für sie und da Dragos in seiner menschlichen Gestalt überwältigend männlich anziehend ist, kommt schnell eines zum anderen ...

In ihrem Buch Im Bann des Drachen hat Thea Harrison den Fantasy-Roman nicht neu erfunden und sie variiert altbekannte, oft verwendete Motive, dies aber in einer so charmanten Art und Weise, dass es mir ob der Lesefreude, die ich dabei hatte, total wurscht war, gut abgehangene Romankost vorgesetzt zu bekommen.

Die Stärke von Im Bann des Drachen liegt für mich in der Entwicklung der Charaktere, die ein Setting durchlaufen haben, welches in vielen tausenden Büchern anderer Autoren vorher auch schon aufgetaucht ist.

Dragos ist ein Wesen, welches von Anbeginn der Zeit (jedenfalls vom Entstehen der Sonne an) existiert, zuerst als reine Energie, im Laufe der Jahrmillionen verdichtet er sich immer mehr zu einem Drachen, raubtierhaft, ohne Sinn für Gut und Böse, aber ausgestattet mit Intelligenz und starker Magie. Das Buch spielt in der Gegenwart, Menschen und magische Wesenheiten existieren nebeneinander, wobei die Magischen dank ihrer Kräfte natürlich die herrschende Klasse darstellen.

Dragos hat vor einigen Jahrtausenden aufgehört, intelligentes Leben zu fressen und lebt nun meistens in seiner menschlichen Daseinsform als Herrscher von New York. Er hat ein gutes Herz, ist aber in seiner Gier und Aggressivität immer noch sehr maßlos und kaum berechenbar. Seine Intelligenz ist hoch und er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Emotional entspricht er eher einem neugierigen Kind und der Umgang mit Pia stellt ihn vor eine neue Herausforderung. Zum ersten Mal in seinem Leben möchte er einer Frau gefallen und auf sie und ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen, sie verstehen und nicht nur als belanglosen Zeitvertreib betrachten. Dabei geht er zielstrebig, aber tapsig vor, denn romantische Gefühle waren ihm bisher fremd.

Auch wenn Dragos schon seit Millionen Jahren existiert, verbringt er seine Zeit in seiner menschlichen Form ja erst seit einem winzigen Bruchteil seines Daseins und daher konnte ich seine Naivität in gewissen Dingen gut nachvollziehen. Es scheint so zu sein, als müsse sich ein so mächtiges Wesen wie Dragos in seine jeweilige Daseinsform erst einarbeiten und da ihm ja die Ewigkeit zur Verfügung steht, hatte er es bisher nicht eilig.

Rasant entwickelt er sich aber, als Pia in sein Leben tritt und das Unbekannte einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn ausübt.

Pia hat Angst vor ihm und fürchtet, am Anfang nicht zu unrecht, von ihm zerrissen zu werden, ist aber mit einer gehörigen Portion Witz und Tatkraft ausgestattet. Als weiblicher Gegenpart zu einem kaum berechenbaren Drachen, ist sie schlagfertig und gewitzt, weiß sich aber auch in gefährlichen Situationen klug zu verhalten, ohne ihren Stolz aufzugeben. Sie passt sich schnell der Tatsache an, dass ein besitzergreifender, unberechenbarer Drache um sie wirbt.

Dragos und Pia erleben gemeinsam natürlich auch einige gefährliche Abenteuer, die spannend dadurch werden, weil eben dieses Paar sie erlebt. Die Abenteuer an sich sind eher austauschbar und nicht weiter erwähnenswert.

Irgendwie hat mich allerdings die Erwähnung irritiert, dass Dragos Armani-Hemden trägt. Ich fand das für ein Jahrmillionen altes Wesen ziemlich profan. Andererseits dachte ich mir, auch so alte Wesen dürfen Wert auf gute Kleidung legen, war aber immer noch nicht zufrieden mit der Schleichwerbung für Armani, denn Dragos ist da und dort im Buch auch ziemlich detailversessen. Für mich wäre dieser Aspekt des Romans erst rund gewesen, wenn Dragos einen persönlichen Designer beschäftigt hätte, der exklusiv für ihn arbeitet.

Im Bann des Drachen fand ich toll und witzig, deshalb gibt es von mir 5 von 5 Punkten.

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